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Es ist Freitag! #4

Vom Ohr ins Objektiv…

 

Wie Musik meine Bilder enstehen lässt.

Neben der Fotografie hat die Musik in meinem Leben einen hohen Stellenwert.  Musik ist eigentlich immer da – die Ideen zu vielen meiner Arbeiten sind mir beim Hören meiner Lieblingsbands gekommen, oder eben beim Anschauen ihrer Videos. Seit dem Ableben der grossen Musikfernsehsender gibt es leider nicht mehr viele Bands, die Wert auf optisch anspruchsvolle Videos legen – 5 Typen in einer alten Fabrikhalle mit ein bisschen Nebel – fertig ist das Video. Das soll jetzt hier kein „früher war alles besser“ Geweine werden, aber mir ist aufgefallen, dass viele meiner Bilder von Musikvideos beeinflusst wurden, die ich in den 90ern gesehen habe, zu einer Zeit also als die Kunstform des Videoclips auf ihrem Zenit war.

 

Paradise Lost gehören seit Jahren zu meinen absoluten Faves. Diese Band ist sogar dafür verantwortlich das ich 1992 selber angefangen habe in einer Band zu singen und Texte zu verfassen.

 

 

Song Of The Troubled One – Der Amorphis Song und das dazugehörige Konzeptalbum handelt vom finnischen Nationalepos Kalevala. Mit Finnland und alten Geschichten bringe ich irgendwie immer Holzböden in Verbindung….

 

 

 

Opeth – Blackwater Park – als ich in dem relativ unscheinbaren Park in Krefeld diesen kleinen Tempel entdeckte, war mir sofort klar – das ist mein persönlicher „Blackwater Park“.

 

 

 

Porcupine Tree – Fear Of A Blank Planet. Porcupine Tree haben mich schon zu einigen Bildern inspiriert, zudem mag ich auch die Bildsprache in ihren Videoclips.

 

 

2014 habe ich mit dieser kleinen Gliederpuppe so einige Fotos gemacht. Dazu wurde ich von der Band TIAMAT und Ihrem Video beeinflusst – irgendwann setze ich das Ganze auch noch mal in diesem Stop-Motion Stil um.

Seit ein paar Jahren hab ich eine Phase die ich „die grüne Phase“ nenne. Ich mache dafür unter anderem Mark Romanek mit seinen Arbeiten für NINE INCH NAILS verantwortlich.

 

 

 

Ich bin eigentlich kein besonders grosser NICK CAVE Fan, aber ich mag viele seiner Videos, besonders den morbiden Touch von „Where the wild roses grow“, dass sich ja auf das Gemälde „Ophelia“ des Malers John Everett Millais bezieht, was mich schon beschäftigt und inspiriert hat bevor ich das Video auf MTV gesehen hab – einige meiner Bilder nehmen ja auch in diversen Variationen Bezug auf das Ophelia Thema.

 

Das Bild hat den unglaublich profanen Namen „07/24/2014“ eben da es an genau diesem Tag im Rahmen meines 365 Tage Projektes entstanden ist.  Hier haben mich Tool beeinflusst, die ich just an dem Morgen gehört habe, an dem ich das Foto gemacht habe. Die Zeile in ihrem Song „Schism“ in dem es heisst: „I know the pieces fit ‚cause I watched them fall away“ hat dafür gesorgt, dass ich schon eine halbe Stunde später nackt im Wald lag.

Die Inspiration ein Bild zu erschaffen kommt bei mir also nicht unbedingt immer aus einer visuellen Quelle – nein – manchmal reicht eine Zeile in einem Songtext, die sofort ein Bild in meinem Kopf entstehen lässt. Hin und wieder braucht es einige Tage bis ich das Bild in meinem Kopf entwickelt habe – es kommt aber auch schon mal vor das die Idee so klar ist, dass das Foto schon nach wenigen Minuten seinen Weg aus meinen Kopf durch das Objektiv und dann auf die Speicherkarte antritt.

Bis Freitag!

Sebastian

 

 

Es ist Freitag! #1

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Ich gestehe – ja ich bin Topophil!

 

Keine Angst – das ist nicht ansteckend – bis ich vor einigen Monaten einen Artikel darüber im von mir sehr geschätzten Kwerfeldein Magazin gelesen hab, wusste ich überhaupt nicht von der Existenz dieses Krankheitsbildes. In meinem besonderen Fall gibt es ja so einige Zustände die von der Norm abweichen, gerade in Verbindung mit der Fotografie, insoweit hat es mich nicht gewundert das zum G.A.S Syndrom (also das unkontrollierte Anhäufen von Kameras) jetzt also noch was dazu kommt.
Dem Dichter Wystan Hugh Auden wird zugeschrieben, dass er das Wort „Topophilie“ geprägt hat, um eine starke psychologische bzw. emotionale Anziehungskraft für einen besonderen Ort zu beschreiben.

Eine aktuelle psychologische Studie des National Trust in Grossbritannien untersuchte mit Hilfe von MRT-Scans diese erstmals beim französischen Philsophonen Gaston Bachelard aufgetauchte Idee einer besonderen Ortsliebe.

 

 

Das Gesetz der Serie

 

Ein Forscherteam der Universität Surrey hat herausgefunden, dass Menschen ein besonderes Gefühl des Wohlbefindens empfinden, wenn sie an einen Ort denken oder einen Ort besuchen, dem sie eine besondere Bedeutung beimessen.
Hätte ich jetzt auch so gewusst 🙂 Ich habe ja 16 Jahre in Ratingen in ein und der selben Wohnung direkt am Wald gelebt , wer von Euch sich also vielleicht mal meine Bilder der letzten Jahre angesehen hat, dem wird bestimmt aufgefallen sein, das bestimmte Orte immer wieder auftauchen. Diese Orte sauge ich bewusst immer wieder förmlich in mich auf um eine Beziehung zu ihnen einzugehen.

Gerade diese „Höhle“ – die eigentlich eine Ruine einer alten Bahnverladestation ist, hat es mir besonders angetan. Sie ist nicht einfach nur eine Shootinglocation, sondern ein Seelenort für mich den ich nicht nur zum Fotografieren aufsuche, sondern auch einfach mal um nur für mich zu sein. Ich mag das Wort „Location“ sowieso nicht gerne, da es kalt und berechnend klingt, also so gar nicht das womit ich Fotografie in Verbindung bringe.

 

Seelenorte

 

Auch dieser kleine Tümpel in Ratingen ist ein Ort an den ich immer wieder gerne zurückkehre. Gelegentlich muss ich  einem Seelenort sein Bild förmlich abringen, weil er mich fasziniert und gleichzeitig piesackt mit seinen Dornenbüschen die von Besuch zu Besuch undurchdringlicher werden. Manchmal ist dann mein Seelenort einfach ein anderer wie beim vorherigen Besuch, eben weil die Natur das Licht setzt und für die Kulisse sorgt  in dem sie einfach mal ein paar Baumstämme verteilt – ganz im Gegensatz zu meinem kleinen Studio, das meistens gleich ist – es sei denn unser Kater wirft mal wieder eine Lampe um.

Raus aus dem KreaTief!

 

„Wettbewerbe sind was für Rennpferde“ das hat mal jemand gesagt, der sich besser auskannte als ich. In den letzten Jahren habe ich auch nicht wirklich häufig an den typischen Wettbewerben von Zeitschriften und Onlinemagazinen teilgenommen. Der Grund ist einfach das ich zwar hin und wieder mal Spass daran habe mich mit anderen zu messen, aber ich weiss auch das meine Bilder sich durchaus abseits vom fotografischen Mainstream bewegen und somit meine Chancen auf die vorderen Plätze meistens eh nicht besonders gross sind.

Bis zum Jahr 2014 plätscherte meine Fotografie gefühlt eher so vor sich hin – klingt jetzt nach einem harten Urteil, aber so sehe ich es halt. Meine Kreativität erwachte erst richtig mit meinem 2014er 365 Tage Projekt – klar gab es auch mal Tage an denen mir nichts eingefallen ist, weil der Tag so hart war, oder irgendwas anderes anlag, aber im Grossen und Ganzen kann ich sagen das ich in dem Jahr als Kreativer mehr gewachsen bin als in allen Jahren davor – meinen Stil habe ich nebenbei auch irgendwie gefunden – oder eher er mich.

 

Die letzten 8 Wochen des Jahres 2016 und auch die ersten Tage von 2017 waren für mich dann allerdings eine ziemliche Durststrecke – stand doch für mich der erste Umzug nach 15 Jahren  in ein komplett neues Umfeld, mit neuen Menschen an. Jetzt könnte man eigentlich meinen das gerade eine neue Liebe in einer neuen Stadt genug Inspiration bereithält – dem war aber nicht so – irgendwie hab ich wochenlang „nichts gesehen“ wie ich das immer gerne so nenne.

Anfang des Jahres bin ich dann auf der Facebookseite vom Fotomarathon Düsseldorf gelandet – letztes Jahr wollte ich schon teilnehmen, aber die Konditionen des Wettbewerbs haben mir seinerzeit überhaupt nicht gemundet – 5 Stunden mit der Kamera durch Düsseldorf jagen und verschiedene Themen abarbeiten war jetzt so gar nicht meins. Dieses jahr sahen die Modalitäten allerdings ganz anders aus. Man musste sich früh genug anmelden und registrieren – am Vorabend des Wettbewerbs hat man dann das Thema mitgeteilt bekommen das am folgenden Tag in der Zeit zwischen 9.00 und 15.00 umgesetzt und anschliessend hochgeladen werden sollte. Das Thema war „Das Fenster zum Hof“ – der Film von Hitchcock sollte ja bekannt sein. Was jetzt auf dem „Papier“ ungemein stressig klingt, hat meine verschütteten kreativen Kräfte sofort wieder freigelegt – den Film habe ich mir vorher bewusst nicht mehr angesehen, sondern hab abends vor dem Schlafengehen einfach mal mit meiner Barbara die ersten Ideen gesammelt – am nächsten Morgen um 10 waren alle Shootingutensilien parat und das Drehbuch entwickelt – Barbara als mein Model lag im Schnee und zwei Stunden später war alles im Kasten.

 

 

Was ich vor zwei Wochen wieder festgestellt habe ist das man Kreativität, Inspiration und Ideen nicht auf Knopfdruck abrufen kann, aber man kann ihnen den Boden bereiten, damit sie wachsen und gedeien können.

Wenn Ihr also auch mal eine Durststrecke kreativer Art haben solltet, schaut mal rechts und links abseits der ausgetretenen Pfade, begebt Euch wie ich mit dem Wettbewerb einfach mal in eine „Liefern müssen“ Situation, verlasst die vielzitierte Komfortzone.

Ob ich den Wettberb gewinne ist mir nicht wichtig – entscheidend war für mich der unglaublich intensive und erfüllende Entstehungsprozess – klar ist die Aussicht am 3.2. einen Preis in Empfang nehmen zu können und meine Bilder beim Düsseldorfer Photoweekend ausgestellt zu sehen mehr als verlockend, aber ich bin ja kein Rennpferd 😉