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Es ist Freitag! #9

Warum fotografierst Du?

„Weil ich nicht malen kann“ – das ist meistens meine spontane Antwort wenn man mich fragt. Ich bin tatsächlich ein ziemlich mieser Zeichner. Auf der Fachoberschule für Gestaltung musste ich wenn ich nicht gerade woanders war beim technischen Zeichnen meine Zeit absitzen – das wars dann auch schon mit meiner Begabung am Stift. Da sind wir aber auch schon beim Dilemma – hätte ein findiger Franzose Namens  Nicéphore Niépce 1826 nicht das erste Foto gemacht und somit den Anstoss zur Entwicklung der Fotografie gegeben – ich würde jetzt nackt vor Euch stehen, nicht in der Lage mich auszudrücken – meines Werkzeugs beraubt. Und da komme ich auch schon zu meinem Lieblingsthema – dem Werkzeug um Bilder zu erzeugen.

Die Kamera – nur ein Werkzeug?

Ja, das ist sie letzten Endes – wenn man versucht ganz emotionslos an die Sache heranzugehen – ich weiss Ihr nehmt mir das nicht ab – ich bin der Typ mit den drölfhundert Kameras – und ja ich bin als Kamerasammler natürlich auch irgendwo Nerd, sich ständig fragend welche Kamera er in seine Tasche packen soll, selbst wenns nur zum Bäcker geht. 2014 habe ich ja mein 365 Tage Projekt gestartet – also jeden Tag ein Foto. Seinerzeit gab es für mich nur meine Nikon D800, ein klobiges, schweres Pixelmonster das ich die ersten 6 Wochen wirklich jeden Tag mit mir rumgeschleppt habe, nur um bei meinem Projekt die bestmögliche Bildqualität zu erreichen bis es mich nur noch genervt hat.

Du machst die Bilder – nicht die Kamera!

Klingt erstmal logisch, oder? Ist ja irgendwie faktisch auch richtig, aber wenn man Techniknerd ist und unbedingt jeden Tag eine schwere Vollformatkamera mit sich rumschleppen muss, dann kommt man einfach nicht dazu Bilder zu machen weil der Klotz am Hals zum Klotz am Bein wird – die Kamera bleibt zu oft in der Tasche, zu viele Situationen und Menschen ziehen an einem vorbei.

Erlösung fand der Fotonerd dann mit einer Entschlackung – von 3,5 kg auf 800 Gramm in Form einer kleinen, kompakten FujiX100. Plötzlich bekam meine Art Bilder zu machen eine ganz neue Richtung – ich konnte mir die Kamera einfach mal in die Hosentasche stecken und losradeln was mit der dicken Nikon nie möglich war. Meine Bilder wurden von einem Tag auf den anderen genauso wie ich mir sie immer gewünscht habe – spontan und unmittelbar. Plötzlich habe ich Gelegenheiten genutzt, ich bin einfach auf der Strasse stehengeblieben und habe z.B Puzzleteile fotografiert oder ich hab mir die kleine Kamera geschnappt und bin spontan mit einer Idee im Kopf auf den Wäscheboden in meinem alten Haus gestiegen.

 

Ich war endlich in der Lage einfach eine Idee schnell und spontan umzusetzen ohne erst umständlich Objektive und Body zusammensuchen zu müssen. Das war im Grunde meine Geburtstunde als kreativer Mensch. Nicht das ich vorher unkreativ war, aber ich habe mich zu oft von der Technik ausbremsen lassen.

 

Also macht die Kamera doch die Bilder?

Ja und ja 😉 Mit ziemlicher Sicherheit hätte da Vinci seine Mona Lisa auch mit Kohlestückchen an eine Höhlenwand kritzeln können – und ich hätte vermutlich ohne die Erfindung der Fotografie meine Liebe zum Töpfern entdeckt und hätte mich in Tonskulpturen oder beim Theater ausgedrückt. O.k – das waren jetzt viele „hätte“ in einem Satz, inklusive Da Vinci  – noch dicker kann man wohl kaum auftragen. Mich interessiert jetzt aber das „ist“ und das ist die Fotografie die nicht nur etwas für mich ist womit ich mich hin und wieder mal beschäftige – Nein da ist viel viel mehr. Die Antwort auf die Frage in der Überschrift ist nicht so einfach zu geben, im Moment fühle ich das die Fotografie mir Türen öffnet. In jedem Moment in dem ich ein Foto mache öffne ich die Tür zur Ewigkeit.

 

 

 

Yashica

Yashica – Die Enttäuschung des Jahres?

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Eigentlich wollte ich ja schon längst über die neue NIKON D850 gebloggt haben, aber jetzt ist mir was dazwischen gekommen…

Als vor 2 Wochen eine neue Yashica angekündigt wurde, hatte ich entweder auf eine zweite Fuji X100 gehofft, oder auf eine komplett analoge Kamera mit Film, ähnlich wie die legendäre Yashica Electro.

Die vor wenigen Stunden auf Kickstarter vorgestellte Kamera ist auf der einen Seite ein sehr cooles Teil , auf der anderen Seite dann wieder eine herbe Enttäuschung. Die sogenannte Yashica DigiFilm-Kamera verwendet ein interessantes austauschbares  digitales Filmsystem, bei dem man im Grunde jedesmal einen neuen Sensor mit speziellen Eigenschaften kauft. Will man also Schwarz Weiss haben kauft man eine entsprechende Patrone – für Farbe wiederum eine Patrone mit Farbe und wer analoges Bildrauschen will, der greift zur S/W Patrone mit iso 1400. Die Abwesenheit eines Displays zur Bildkontrolle finde ich auch sehr Reizvoll, ja es gibt sogar einen Spannhebel der nach jeder Aufnahme bedient werden muss um ein neues Foto aufnehmen zu können.

 

Schauen wir doch mal auf die Spezifikationen:

  • 1/3.2-inch CMOS sensor 
  • 14 megapixel 
  • Messucher
  • Lichtstarkes Objektiv f2.8
  • Brennweite 35mm
  • Minimale Aufnahmedistanz 1m
  • 5 wählbare Verschlusszeiten 1s, 1/30s, 1/60s, 1/250s, 1/500s
  • SD Karte
  • Micro USB 
  • Stativgewinde
  • funktioniert mit 2 x AA Batterien
  •  digiFilm

AAAAAAAber:

Ein Sensor der kaum grösser ist als der in meinem Samsung Galaxy S8? Nur 5 Verschlusszeiten? Klar, auf der Habenseite steht die Möglichkeit sich wie bei einer analogen Kamera wieder ganz auf das Bildermachen zu konzentrieren weil man nicht ständig auf ein Display schielt – das hat irgendwie seinen Reiz, weil hier wieder die so oft zitierte Konzentration auf das Wesentliche eintritt. Aber warum hat man der Kamera nicht wenigstens einen  Four Thirds-Sensor spendieren können? Warum diese seltsamen Fimpatronen die zwar auf den ersten Blick nach einem interessanten Konzept klingen – aber hier befürchte ich das man das Ganze als Gelddruckmaschine missbrauchen wird. Schade – hier wäre mehr drin gewesen – vermutlich ordere ich mir aber trotzdem eine.

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