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Es ist Freitag! #16

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Mein dorniger Sommer…

Das Jahr 2018 geht zur Neige – komisch vor gefühlten 6 Wochen habe ich doch gerade noch geheiratet, hab in kurzen Hosen mit meiner frisch Angetrauten lange an der Spree gesessen und aufs Wasser geschaut…


Bilder von Artur Kowallick – Camera Minutera Berlin entstanden auf unserer Hochzeitsreise nach Berlin.

2018 war verdammt hart – warscheinlich das härteste Jahr seit dem Tod meines Vaters 2004 – es war prall gefüllt mit Enttäuschungen, Entbehrungen und mit Rechnungen auf der Fussmatte die sich vermehrt haben und die Katze zu fressen drohten.
Der Mensch der Ende 2017 mein Buch produziert und verlegt hat, hat sich vor einigen Monaten als übler Betrüger entpuppt – von den mir zugesicherten Exemplaren habe ich nur einen Bruchteil erhalten, also musste das Buch leider aus der ISBN Liste und somit auch vom Markt nehmen lassen. Neben dem materiellen Verlust ist da natürlich auch die Enttäuschung auf menschlicher Ebene ungeheuer Gross. Allerdings bin ich nicht der Typ der sich von derartigen Enttäuschungen umwerfen lässt. 2019 werde ich mein Buch in Eigenregie neu auflegen und verkaufen. Dann ist da ja auch noch mein Magazin an dem ich im Hintergrund arbeite.

2018 war trotz aller Rückschläge mein fotografisch erfolgreichstes Jahr. Meine Fotos erscheinen in Magazinen, in Schallplatten und CD´s und ich konnte über meinen Shop einiges an Kalendern und Bildern zu den Menschen bringen die meine Kunst zu schätzen wissen. Anfang Dezember habe ich an meiner ersten Gruppenausstellung teilgenommen und hatte gerade ein Interview mit einem Fotomagazin welches Anfang 2019 erscheinen wird.
Auch wenn der Sommer dornig,lang, und trocken war, ich bin wieder ein ganzes Stück gewachsen und lerne immer noch dazu. Ja, ich lerne gerade tatsächlich gut zu mir zu sein und meine Erfolge auch anzunehmen.

Jetzt ist das hier doch irgendwie ein Jahresrückblick geworden – kommt gut rüber!

Mein 2016

Die Zeit „zwischen den Jahren“ ist ja auch irgendwie immer die Zeit in der man sich seinen in den Feiertagen angefressenen Bauch betrachtet, kurz innehält und dann zurückblickt. In Zeiten wie diesen in denen Fitnesstracker unseren Herzschlag aufzeichnen und sogar intelligente Kloschüsseln unseren Urin analysieren und zahllose Apps uns einordnen und bewerten , ist man als Kunstschaffender wie ich der seine Fotos in die sozialen Netzwerke hochläd natürlich auch dabei – man kann sich nicht wirklich aus der ganzen Sache rausziehen – irgendwann geht der Blick immer auf  die Zahlen und man ordnet sich unweigerlich ein – Bin ich gut genug? Und wenn ja – wie gut bin ich? Warum haben die anderen mehr Erfolg? 

Wenn ich mir so meine Statistiken für 2016 ansehe, dann kann ich mich eigentlich bequem zurücklehnen – aber das ist mir zu wenig. Am Anfang meiner Social-Media Laufbahn vor etwa 6 Jahren hatte ich ständig Likes,Klicks und Kommentare im Blick und war reelmässig geradezu frustriert wenn meine neusten Werke nicht die Aufmerksamkeit bekommen haben die sie meiner Meinung nach verdient hatten. „Hey Sebastian – stell doch mal ne nackte Frau in eine Fabrikruine – das gibt viele Likes!“ – hat mir tatsächlich mal jemand geraten. Die Frage ist, machen mich viele Likes und Klicks zu einem glücklicheren Menschen? Natürlich lebe ich als Künstler auch vom Lob und Bewertung, aber lässt sich Erfolg an Statistiken festmachen?

2016 bin ich an einem Punkt in meinem Leben (als Fotograf) angelangt, an dem ich festgestellt habe wie unwichtig und unbedeutend diese Algorithmen für mich sind. Ich habe Bilder erschaffen die gemessen an nackten Zahlen eher erfolglos waren, aber für mich einen nicht messbaren emotionalen Wert hatten ,wie z.B das Foto das ich von meinen Freunden bei ihrer Hochzeit gemacht habe.

 

Oder das Bild aus meiner „Gaia“ Serie – als ich vom Baum stieg, von dem ich das Foto aus gemacht hatte, beschlich mich plötzlich das Gefühl gerade etwas besonderes erschaffen zu haben – dieses Gefühl ist ewas ganz einmaliges, eine Erkenntnis die mich wie ein Blitz durchzuckt und mich laut anschreit „Geiles Foto – haste gut gemacht“. Ich kann von wirklich jedem Bild das ich 2016 gemacht habe behaupten das es genauso geworden ist wie ich es mir vorgestellt habe – ja, manchmal sogar noch besser – das ist für mich mehr wert als alles andere. Klingt jetzt nicht so schlecht oder? Kommt gut ins neue Jahr!