Es ist Freitag! #5

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Bad Niedergang

Lost Places in Bad Pyrmont

Bei Kurorten denkt man ja normalerweise an Menschen mit Rollatoren die salziges Wasser aus Plastikbechern trinken und nicht gerade an Lost Places – dachte ich auch, bis ich im Februar zum ersten Mal in dem beschaulichen Ort im äussersten Norden von NRW gelandet bin. Mir sind sofort die zahlreichen geschlossenen und dem Verfall preisgegebenen einst herrschaftlichen Kurhotels aufgefallen. Ziemlich schnell hatte ich die Intention zu einer neuen Serie. Angeregt durch meinen  Aufententhalt in Bad Pyrmont habe ich mich mal mit dem Niedergang der dortigen Kurbetriebe befasst.

Spätestens mit dem vom damaligen Bundesgesundheitsminister Seehofer beschlossenen Sparpaket und der damit verbundenen Kürzung der Reha Zeiten und dem daraus entstandenen Abbau von über 40.000 Arbeitsplätzen im Gesundheitswesen begann der Niedergang im Kurwesen das allein bis 1999 zur Schliessung von 120 Betrieben führte. Bereits mit den Blüm’schen Gesundheitsreformen begann in ganz Deutschland 1989 der Niedergang der Kurorte und Heilbäder. Zuerst wurden zum Beginn des Jahres 1989 die Kassenzuschüsse für die so genannten „offenen Badekuren“ drastisch gesenkt und zugleich eine Eigenbeteiligung eingeführt.

Der Erfolg allein dieser Maßnahmen war durchschlagend: Die Zahl der von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschussten offenen Badekuren sank innerhalb eines Jahres von 821.189 im Jahr 1988 auf nur noch 435.042 Kuren im Jahr 1989. Diesen gut 50 prozentigen Rückgang konnten insbesondere die kleinen bis mittelständischen Beherbergungsbetriebe nicht mehr auffangen, da gleichzeitig die Zahl der der stationären Krankenkassenkuren deutlich zunahm. Im Ergebnis verlagerte sich das „Kurgeschäft“ also von den klein- und mittelständischen Beherbergungsbetrieben hin zu den großen „konzernmäßig“ geführten Bettenburgen. Dieser negative Bundestrend erfasste auch Bad Pyrmont mit seinen vielen privatgeführten Hotels die oftmals , wenn sie nicht sofort schliessen mussten dazu gezwungen waren sich durch extreme Einsparungen zu retten welche in der Folge in einen Investitionsstau mündeten. Im Ergebnis konnte man mit den konzernmässig betriebenen „Bettenburgen“ nicht mehr mithalten. Für viele Orte natürlich katastrophal, für mich der sich auch mal mit Lost-Place Fotografie befasst ein Glücksfall.