Es ist Freitag! 10#

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Festivals sind Ausnahmezustand!

Aber nicht nur das – sie liefern oft genug schöne Geschichten. Für mich als Konzertfotograf der auch mal hinter und neben die Kulissen schauen darf passieren die schönsten Festivalstories oft genug abseits der Bretter die die Welt bedeuten. So auch vor ein paar Wochen auf meinem Lieblingsfestival. Das Dong Open Air ist ein wunderbares, intimes Metalfestival das sich auch im 19. Jahr seines Bestehens rühmen kann ein Festival von Fans für Fans zu sein, auch wenn die Macher eines weitaus berühmteren Festivals im Norden dieses Prädikat immer noch für sich beanspruchen.

Desirees Wunsch

Und eben diese Intimität sorgt für eine gewisse Nähe zwischen Veranstaltern und Besuchern – man geht aufeinander zu und auch aufeinander ein – Wünsche werden oftmals schnell und unbürokratisch erfüllt. Zum Beispiel der Wunsch meiner Freundin Desiree einfach mal Crowdsurfing beim Auftritt Ihrer Lieblingsband Moonspell zu machen. Der Durchschnittskonzertbesucher macht sowas einfach, bei Desiree sieht die Sache etwas komplexer aus, denn sie ist von Ihrer Geburt an die meiste Zeit auf einen Rollstuhl angewiesen, der solche Aktionen natürlich erschwert. Desiree trug den Wunsch nach einem Crowdsurfing Ausflug warscheinlich schon seit ihrem ersten Besuch beim ersten Dong Open Air mit sich herum, hat sich aber nie wirklich getraut – bis Ihr Bekannter „Klix“ der zwar auch „nur“ Besucher ist, aber irgendwie jeden kennt sie überredet hat. Ein paar Helfer waren schnell gefunden, die Security im Bühnengraben hat auch bereitwillig mitgemacht und ich durfte diese wundervollen und emotionalen Momente festhalten. Und eben diese emotionalen Momente sind der Grund warum ich das mit der Fotgrafiererei so liebe 😉

 

Es ist Freitag! #9

Warum fotografierst Du?

„Weil ich nicht malen kann“ – das ist meistens meine spontane Antwort wenn man mich fragt. Ich bin tatsächlich ein ziemlich mieser Zeichner. Auf der Fachoberschule für Gestaltung musste ich wenn ich nicht gerade woanders war beim technischen Zeichnen meine Zeit absitzen – das wars dann auch schon mit meiner Begabung am Stift. Da sind wir aber auch schon beim Dilemma – hätte ein findiger Franzose Namens  Nicéphore Niépce 1826 nicht das erste Foto gemacht und somit den Anstoss zur Entwicklung der Fotografie gegeben – ich würde jetzt nackt vor Euch stehen, nicht in der Lage mich auszudrücken – meines Werkzeugs beraubt. Und da komme ich auch schon zu meinem Lieblingsthema – dem Werkzeug um Bilder zu erzeugen.

Die Kamera – nur ein Werkzeug?

Ja, das ist sie letzten Endes – wenn man versucht ganz emotionslos an die Sache heranzugehen – ich weiss Ihr nehmt mir das nicht ab – ich bin der Typ mit den drölfhundert Kameras – und ja ich bin als Kamerasammler natürlich auch irgendwo Nerd, sich ständig fragend welche Kamera er in seine Tasche packen soll, selbst wenns nur zum Bäcker geht. 2014 habe ich ja mein 365 Tage Projekt gestartet – also jeden Tag ein Foto. Seinerzeit gab es für mich nur meine Nikon D800, ein klobiges, schweres Pixelmonster das ich die ersten 6 Wochen wirklich jeden Tag mit mir rumgeschleppt habe, nur um bei meinem Projekt die bestmögliche Bildqualität zu erreichen bis es mich nur noch genervt hat.

Du machst die Bilder – nicht die Kamera!

Klingt erstmal logisch, oder? Ist ja irgendwie faktisch auch richtig, aber wenn man Techniknerd ist und unbedingt jeden Tag eine schwere Vollformatkamera mit sich rumschleppen muss, dann kommt man einfach nicht dazu Bilder zu machen weil der Klotz am Hals zum Klotz am Bein wird – die Kamera bleibt zu oft in der Tasche, zu viele Situationen und Menschen ziehen an einem vorbei.

Erlösung fand der Fotonerd dann mit einer Entschlackung – von 3,5 kg auf 800 Gramm in Form einer kleinen, kompakten FujiX100. Plötzlich bekam meine Art Bilder zu machen eine ganz neue Richtung – ich konnte mir die Kamera einfach mal in die Hosentasche stecken und losradeln was mit der dicken Nikon nie möglich war. Meine Bilder wurden von einem Tag auf den anderen genauso wie ich mir sie immer gewünscht habe – spontan und unmittelbar. Plötzlich habe ich Gelegenheiten genutzt, ich bin einfach auf der Strasse stehengeblieben und habe z.B Puzzleteile fotografiert oder ich hab mir die kleine Kamera geschnappt und bin spontan mit einer Idee im Kopf auf den Wäscheboden in meinem alten Haus gestiegen.

 

Ich war endlich in der Lage einfach eine Idee schnell und spontan umzusetzen ohne erst umständlich Objektive und Body zusammensuchen zu müssen. Das war im Grunde meine Geburtstunde als kreativer Mensch. Nicht das ich vorher unkreativ war, aber ich habe mich zu oft von der Technik ausbremsen lassen.

 

Also macht die Kamera doch die Bilder?

Ja und ja 😉 Mit ziemlicher Sicherheit hätte da Vinci seine Mona Lisa auch mit Kohlestückchen an eine Höhlenwand kritzeln können – und ich hätte vermutlich ohne die Erfindung der Fotografie meine Liebe zum Töpfern entdeckt und hätte mich in Tonskulpturen oder beim Theater ausgedrückt. O.k – das waren jetzt viele „hätte“ in einem Satz, inklusive Da Vinci  – noch dicker kann man wohl kaum auftragen. Mich interessiert jetzt aber das „ist“ und das ist die Fotografie die nicht nur etwas für mich ist womit ich mich hin und wieder mal beschäftige – Nein da ist viel viel mehr. Die Antwort auf die Frage in der Überschrift ist nicht so einfach zu geben, im Moment fühle ich das die Fotografie mir Türen öffnet. In jedem Moment in dem ich ein Foto mache öffne ich die Tür zur Ewigkeit.

 

 

 

Es ist Freitag! #8

Meine ersten Wochen mit der Leica M6

 

 

 

Ich kann mich nicht erinnern wann ich das letzte Mal eine Kamera so sehr wollte wie diese….

„Och nööö – jetzt hat er schon wieder die drölfhundertste Kamera gekauft, von der wir wieder nur das Foto zu sehen bekommen, aber nie Fotos aus Ihr…“

Ja – Ihr habt recht…

ABER – diesmal ist alles anders. Ich bin an einem Punkt in meinem Leben angelangt wo mich dieses wahnhafte Zusammentragen von Dingen nicht mehr befriedigt. Ich habe am Donnerstag damit begonnen einen Grossteil meiner Kamerasammlung zu Geld zu machen um mich auf auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dieses Wesentliche manifestiert sich jetzt erstmal in dieser einen Kamera die ich schon immer wollte, desweiteren hat mich eine Dokumentation auf Netflix über Minimalismus inspiriert die ich vor ein paar Wochen gesehen habe.

Ich bin eigentlich kein besonders materieller Mensch, aber ich habe die letzten Jahre einfach zu viel Zeit und Energie damit verbracht Dingen (in meinem Fall Kameras) hinterher zu jagen.

Ich war so in meiner Jagd gefangen das sie mich unglücklich gemacht hat.

 

Das war mein Facebook Post vom 16.3. 😉

 

Aber das können doch auch andere Kameras!

 

 

Mittlerweile habe ich einige Filme durch die Kamera gejagt – die Euphorie hält nachwievor an. Klar, das Leica System ist im Vergleich zu anderen Kleinbildsystemen wesentlich teurer und scharfe Bilder kann ich auch mit einer Canonet oder Yashica Electro für 40 Euro vom Trödel machen – was ich ja in den letzten Jahren auch getan habe. Von den Kameras aus Wetzlar geht allerdings eine Faszination aus die ich nur schwer beschreiben kann. In der Hauptsache macht mich die unglaubliche Anfassqualität an – an der Kamera gibt es quasi kein Plastik, alles wirkt unglaublich robust und aus einem Guss. Klar – auch meine Nikon FE hat einen tollen Sound wenn der Spiegel zurückschlägt, aber bei der Leica ist alles noch mal ein wenig fluffiger und leichtgängiger. Fotografie bedeutet für mich eben nicht nur ein technisch brauchbares Foto zu machen, der Weg und das wie sind für mich auch entscheidend.

Die Leica M6 – Reduktion rockt!

Seit jeher fotografiere ich ja mit Nikon Kameras. Die Nikon D850 hat so derbe viele Funktionen die ich niemals brauche und auch nicht brauchen werde – selbst meine analoge Nikon F100 hat für meinen Geschmack schon fast zu viele Knöpfe und Einstellräder. Bei der Leica ist wirklich nur das dran was eine Kamera braucht – Auslöser, Zeitenwahlrad und Filmtransporthebel. Ich würde jetzt nicht soweit gehen und behaupten das diese Reduzierung mich zu einem besseren Fotografen macht und mich Bilder wie „Cartier-Bresson“ machen lässt, aber ich merke bereits das die kleine Kamera es mir ermöglicht auch mal unauffällig fremde Menschen zu fotografieren, was ja mit einer Grossen DSLR mit Riesenrohr kaum möglich ist.

 

Ich könnte jetzt natürlich noch ewig über den eingebauten Belichtungsmesser und die kackscharfen Objektive fabulieren, aber das spar ich Euch und zeig jetzt lieber mal ein paar Fotos die ich in den letzten Wochen gemacht habe:

 

 

Es ist Freitag! #7

Aus kühleren Tagen….

Der Sommer 2018 ist schon gefühlt seit Wochen auf seinem Höhepunkt angekommen.

Viele von uns wissen schon gar nicht mehr wie sich eine kühle Brise anfühlt.

Daher habe ich hier für Euch ein paar Bilder aus kühleren Tagen……

Es ist Freitag! #6

In einem anderen Land

Aus meiner tiefen Liebe zum Verfall zeige ich Euch auch diese Woche wieder Ruinen.

2013 war ich in Bruckhausen unterwegs, ein Duisburger Stadtteil der unter anderem durch diverse Schimanski Tatorte Berühmtheit erlangte. Im Bereich der DieselstraßeOttokarstraße und Heinrichstraße wurden in den letzten Jahren mit öffentlichen Mitteln viele Häuser saniert und die Fassaden renoviert. Bis 2015 stehen privaten Eigentümern bis zu 70 % Förderung aus öffentlichen Mitteln zur Sanierung ihrer Gebäude zur Verfügung. Auch in die öffentliche Infrastruktur wurde investiert.  Die Gebäude an der Kaiser-Wilhelm-Straße, dem „Kringelkamp“ und in Teilen der direkt angrenzenden Straßen wurden dagegen aufgrund überdurchschnittlichen Leerstandes und mitunter schlechter Gebäudezustände im Zeitraum von circa 2010 bis 2015 abgebrochen. Eine sehr bedrückende und traurige ja fast schon apokalyptische Stimmung herrschte zwischen den mittlerweile überwiegend unbewohnten Häusern.