Analoge Fotografie im Digitalen Zeitalter

Nach einigen organisatorischen Hürden kann ich Euch jetzt endlich die Ergebnisse von meinem ersten analogen Shooting präsentieren. Der geneigte Leser fragt sich jetzt bestimmt – „warum tut man sich Das im Jahr 2014 noch an?“ „Warum benutzt Du nicht Deine Digitale? Geht doch viel schneller?“

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Analoge Fotografie „entschleunigt“

Meine Antwort lautet schlicht und ergreifend – ich möchte es nicht schneller. Mich begeistert einfach das „entschleunigte“, gemächliche arbeiten mit Mittelformatkameras. Natürlich ist meine MAMIYA RB67 mit Ihren 3,5 KG kein Leichtgewicht, und das fotografieren mit Stativ und Kabelauslöser ist alles andere als bequem, aber mich fasziniert seit jeher einfach der Look von Film. Viele andere Fotografen die auch auf das gute alte Filmmaterial schwören ziehen genauso wie ich den Vergleich von CD und Vinyl – Vinyl klingt irgendwie erdiger – ja ehrlicher und es gibt genau wie bei analogem Bildmaterial ein gewisses Hintergrundrauschen.

Jedes der 12 Bilder auf einer Rolle Film – in meinem Falle da ich eine Kamera mit 6×7 Aufnahmeformat benutze sind es nur 10 – kostet Geld – daher überlegt man automatisch gründlicher ob und wann man abdrückt. Im Ergebnis komme ich nicht mit 300 Bildern von einem Shooting nach Hause, sondern mit 20 oder 30 Aufnahmen – das spart als netten Nebeneffekt auch Zeit, da man mit Qualitativ höherwertigen Aufnahmen belohnt wird.

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Die Technik

Analoge/alte Kameras haben oftmals einfach eine unglaubliche Anfassqualität. Hier ziehe ich den Vergleich zum Automobilbau – heute sehen die meisten Autos irgendwie gleich aus – genauso wie Kameras – stellt man moderne Kameras z.b von Pentax,Nikon oder Canon nebeneinander gleichen sich diese bis auf wenige Details wie ein Ei dem anderen – alte Fotoapparate haben einfach Charakter, ob die berühmten Zweiäuger von Rolleiflex, Messucherkameras von Leica, oder eben die „Backsteine“ von Mamiya sie alle haben einfach ein unverwechselbares Aussehen. Natürlich haben fast alle dieser alten Knipskisten keinen eingebauten Belichtungsmesser – die gibt es allerdings schon ab 50 Euro gebraucht auf Fotobörsen oder im Netz – was durchaus auch wieder ein Sammelgebiet sein kann – wenn man es so übertreibt mit der Kamerasammelwut wie ich. Das Thema Entwicklung ist für mich im Moment noch Neuland – bis jetzt landeten die belichteten Filmrollen beim Fotohändler meines Vertrauens – bald kann ich Euch aber hoffentlich von meinen ersten Versuchen mit Chemie und Rotlicht berichten.

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Der Look

Das Internet ist voll mit digitalen Bildern – jeden tag kommen 100.000 dazu – jeder kann mittlerweile mit einer mittelpreisigen DSLR druckreife Fotos anfertigen – aber die meisten Bilder sind völlig austauschbar und haben mehr oder weniger den gleichen Look, ob Fotos von rennenden Hunden,Knallbunte HDR´s oder kitschige Sonnenuntergänge – warum sich also nicht mit einer analogen Kamera von der knipsenden Masse abheben? Wie bereits erwähnt hat analoges Bildmaterial einfach einen besonderen Look, der auch mit den besten Lightroom oder Photoshop Filtern nicht nachzuahmen ist. Gerade das Bokeh (japanisch für unscharf) ist z.B bei Portraitfotos ein Wichtiges Merkmal – also wenn man eine kleine Blendenzahl wie z.b f1,4 oder f1,8 am Objektiv oder an der Kamera einstellt und nur die Augen und Teile des Gesichtes des Models scharf werden. Dieses Bokeh eben sieht gerade bei Mittelformat Kameras wesentlich geschmeidiger,weicher ja einfach anders aus als bei 25 Megapixel DSLR´s.

Und da ich eben genau diesen Look mag, werde ich auch in Zukunft bei Portraitshootings auf analoge Kameras setzen.

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